Gewohnheiten und Wohlbefinden

Matheangst bei Kindern: Anzeichen, Ursachen und was zu Hause hilft

Matheangst bei Kindern erkennen: Anzeichen von 5 bis 10, Ursachen wie Zeitdruck und Elternangst, was zu Hause hilft und wann Sie Hilfe holen sollten.

  • 5–10 Jahre
  • Vorschuljahr bis 4. Klasse
  • 9 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Matheangst ist Anspannung oder Furcht vor Mathe, die das Denken blockieren kann, auch wenn ein Kind die Antwort eigentlich weiß. Sie kann schon in der 1. Klasse beginnen. Helfen Sie, indem Sie selbst gelassen über Mathe sprechen, Anstrengung und Rechenwege statt Tempo loben, Zeitdruck zu Hause weglassen und kurz und machbar üben. Halten die Sorgen an, sprechen Sie mit der Lehrkraft.

Das Wichtigste

  • Matheangst ist ein Gefühl, kein fehlendes Talent. Angst und schwächere Leistung können sich aber gegenseitig verstärken.
  • Sie kann früh beginnen: Forschende haben sie schon bei Kindern der 1. und 2. Klasse gemessen.
  • Ihre eigenen Gefühle färben ab, vor allem bei häufiger, angespannter Hausaufgabenhilfe. Ruhige, kurze Unterstützung hilft mehr.
  • Loben Sie Anstrengung und Rechenwege, nicht Schnelligkeit oder Klugheit, und lassen Sie die Stoppuhr zu Hause weg.
  • Erste Ansprechpartner sind Klassenlehrkraft und Schulpsychologie; bei starken oder ausufernden Ängsten auch die Kinder- und Jugendarztpraxis.

Was ist Matheangst?

Matheangst ist ein Gefühl von Anspannung, Sorge oder Furcht in Situationen, in denen gerechnet wird. Angst belegt das Arbeitsgedächtnis, den inneren „Schreibtisch“, auf dem wir beim Rechnen Zahlen ablegen. Deshalb kann ein ängstliches Kind bei 7 + 5 am Tisch einen Blackout haben und die Aufgabe im Auto mühelos lösen.

  • Sie kann früh beginnen. In einer US-Studie mit 154 Kindern der 1. und 2. Klasse ging Matheangst schon mit schwächeren Leistungen einher, und zwar bei Kindern mit gutem Arbeitsgedächtnis.
  • Sie bremst kluge Rechenwege. In einer großen Folgestudie nutzten ängstlichere Kinder der 1. und 2. Klasse seltener fortgeschrittene Strategien, und das hing mit schwächeren Ergebnissen zusammen.
  • Sie kann sich selbst nähren. Angst macht Mathe schwerer, und Misserfolge machen die Angst größer. Forschende aus Cambridge beschreiben einen Teufelskreis; deshalb hilft es, an Gefühlen und Fähigkeiten gleichzeitig zu arbeiten.

Matheangst ist häufig, aber kein Randthema: Laut der Staatlichen Schulberatung in Bayern ist bei jedem zehnten Kind oder Jugendlichen in Deutschland das Leben durch Ängste so beeinträchtigt, dass Hilfe von außen nötig ist. Die meisten Kinder mit Sorgen rund um Mathe brauchen aber keine Therapie, sondern einen ruhigeren Umgang mit dem Fach.

Woran erkenne ich Matheangst bei 5- bis 10-Jährigen?

Kleine Kinder sagen selten „Ich habe Angst vor Mathe“. Achten Sie auf Muster, die bei Mathe auftauchen, aber nicht anderswo. Jedes einzelne Zeichen kann auch andere Ursachen haben, von Müdigkeit bis zu einem schweren Schultag.

5 bis 7 Jahre

  • Tränen, Wutanfälle oder plötzliches Bauchweh, sobald die Mathe-Hausaufgaben auf dem Tisch liegen
  • „Ich kann das nicht“ oder „Ich bin dumm“, noch bevor es überhaupt probiert
  • wildes Raten oder Abschreiben, nur damit es vorbei ist
  • heimliches Fingerzählen, als wäre es verboten

8 bis 10 Jahre

  • Blackout bei Tests oder Blitzrechnen, später weiß es die Antworten
  • „Ich bin halt kein Mathe-Typ“ oder ständiges Vergleichen mit Mitschülern
  • Hausaufgaben vermeiden, Arbeitsblätter „verlieren“ oder am Tag der Mathearbeit zu Hause bleiben wollen
  • Herzklopfen, schwitzige Hände oder Übelkeit im Matheunterricht; die Bayerische Schulberatung nennt bei Prüfungsangst Gedanken wie „Das wird sicher wieder eine Fünf“

Tipp Auf das Muster achten

Ein schlechter Abend ist noch keine Matheangst. Ein Muster, das wiederkommt und bei Mathe auftritt, aber nicht beim Lesen oder Spielen, ist einen behutsamen Gesprächsanlass wert, mit Ihrem Kind und mit der Lehrkraft.

Warum bekommen Kinder Angst vor Mathe?

Selten gibt es nur eine Ursache. Oft kommen mehrere Dinge zusammen: eine allgemeine Neigung, sich Sorgen zu machen, Druck durch Tests und Noten, frühere Schwierigkeiten in Mathe und die Haltung der Erwachsenen. Die Bayerische Schulberatung nennt als Auslöser schulbezogener Ängste unter anderem zu hohe Leistungsanforderungen, Überforderung und unzureichende Vorbereitung auf Prüfungssituationen.

Die Matheangst von Eltern und Lehrkräften

Kinder merken, wie wir über Zahlen fühlen. In einer Studie mit Kindern der 1. und 2. Klasse (Maloney und Kollegen, 2015) lernten Kinder matheängstlicher Eltern im Schuljahr deutlich weniger und hatten am Ende selbst mehr Angst, aber nur, wenn diese Eltern häufig bei den Mathe-Hausaufgaben halfen. Ein ähnliches Muster zeigte sich in Klassen: Waren Lehrerinnen der 1. und 2. Klasse ängstlicher in Mathe, glaubten Mädchen am Jahresende eher, dass Jungen besser rechnen, und diese Mädchen schnitten schwächer ab.

Das heißt nicht, dass ängstliche Eltern sich heraushalten sollten; es kommt darauf an, wie sie helfen. In einer ermutigenden Studie mit 587 Erstklässlern lösten Familien kurze Rechengeschichten aus einer Tablet-App gemeinsam. Diese Kinder legten im Schuljahr mehr zu als eine Lesegruppe, besonders die Kinder von Eltern mit Matheangst.

Was hilft zu Hause? 8 Dinge zum Ausprobieren

  • Auf die eigenen Worte achten. Ersetzen Sie „Ich war nie gut in Mathe“ durch „Mathe hat mich Übung gekostet, und das tut es immer noch.“
  • Hausaufgabenhilfe kurz und ruhig halten. Wenn Mathe Sie anspannt, helfen Sie seltener, aber besser: die Aufgabe gemeinsam lesen, fragen „Was weißt du schon?“, dann zurücktreten. „Lass uns die Lehrkraft fragen“ ist eine gute Antwort, wenn Sie selbst nicht weiterwissen.
  • Mathe ohne Hausaufgaben einbauen. Brettspiele, Kochen und Einkaufen lassen Mathe wie Spiel wirken; Ideen in Mathespiele für zu Hause.
  • Anstrengung und Rechenwege loben, nicht Tempo oder Klugheit. Sagen Sie „Du hast zwei Wege probiert, und der zweite hat geklappt“ statt „Du bist so schlau“. In einer US-Studie glaubten Kinder, die als Kleinkinder häufiger für ihre Anstrengung gelobt worden waren, mit 7 bis 8 Jahren eher, dass man Fähigkeiten durch Üben steigern kann.
  • Das Gefühl benennen, dann die Aufgabe verkleinern. „Mathe fühlt sich gerade unheimlich an. Lass uns nur die ersten zwei machen.“ Kleine Erfolge bauen Vertrauen wieder auf.
  • Einen Beruhigungstrick üben. Langsames Bauchatmen in entspannten Momenten üben, damit es bereitsteht, wenn Mathe schwer wird.
  • Fehler als Hinweise behandeln. Fragen Sie „Was verrät uns dieser Fehler?“ und erzählen Sie von eigenen: „Bei 34 + 18 hatte ich erst 42. Ich hatte den neuen Zehner vergessen; es sind 52.“
  • Mathe nicht ganz meiden. Wer Mathe ganz meidet, gewinnt kein Vertrauen zurück. Wenig, oft und machbar ist besser als gar nichts.

Tipp Heute Abend ausprobieren

Spielen Sie eine Runde eines Kartenspiels ohne Richtig oder Falsch auf Papier, etwa ein Karten-Duell, bei dem die größere Karte gewinnt. Lachen Sie, bleiben Sie unter 10 Minuten und sagen Sie kein Wort über Hausaufgaben.

Machen Tests und Blitzrechnen mein Kind ängstlich?

Viele Klassen nutzen kurze Übungen auf Zeit für Grundaufgaben, und mit den ersten Noten und Klassenarbeiten wächst der Druck. Fachleute sind sich bei der Uhr nicht einig. Die Stanford-Professorin Jo Boaler (youcubed) schreibt, dass bei etwa einem Drittel der Kinder Matheangst mit Tests unter Zeitdruck beginnt, weil Stress das Arbeitsgedächtnis blockiert. Ein Leitfaden des What Works Clearinghouse (US-Bildungsministerium, 2021) hält dagegen kurze, druckarme Übungen auf Zeit für hilfreich, wenn Kinder eine Strategie sicher beherrschen und nur gegen ihren eigenen letzten Wert antreten.

  • Zu Hause die Stoppuhr weglassen. Die Schule bietet genug Gelegenheiten, schnell zu sein; zu Hause darf Mathe ruhig sein.
  • Liebt Ihr Kind Herausforderungen, darf es gegen sich selbst antreten: eine Minute, dann den eigenen Wert schlagen. Nie Geschwister vergleichen.
  • Die Lehrkraft fragen, wie Tests genutzt werden. Sind es Übungen oder benotete Arbeiten? Kann Ihr Kind eine Zeit lang weniger Aufgaben oder ohne Uhr rechnen?
  • Strategien üben, nicht Tempo. Tempo folgt dem Verständnis; siehe Kopfrechnen üben und Das Einmaleins lernen.

Wann sollte ich mit der Lehrkraft oder der Kinderärztin sprechen?

Sprechen Sie früh mit der Lehrkraft. Sie beschweren sich nicht, sondern teilen etwas, das sie wissen sollte, und Lehrkräfte erleben Ihr Kind oft von einer anderen Seite. Ein Gespräch lohnt sich, wenn:

  • die Sorgen um Mathe immer wiederkommen;
  • Ihr Kind Mathe in der Schule ausweicht oder sagt, ihm sei im Matheunterricht schlecht;
  • Hausaufgaben oft in Tränen enden, auch wenn sie kurz sind;
  • Mathe trotz ruhiger, regelmäßiger Hilfe zu Hause sehr schwer bleibt.

Hilfreiche Fragen: Was fällt meinem Kind schwer? Blockiert es bei Tests oder auch im normalen Unterricht? Welche Strategien und Wörter nutzt die Klasse, damit wir zu Hause dieselben verwenden? Gibt es einen kleinen Weg ohne Druck, um Vertrauen aufzubauen?

Die Bayerische Schulberatung nennt als erste Ansprechpersonen die Klassenlehrkraft, die Schulpsychologin oder den Schulpsychologen und die Beratungslehrkraft. Weitere Anlaufstellen sind die Kinder- und Jugendarztpraxis und Familien- und Erziehungsberatungsstellen. Holen Sie ärztlichen Rat, wenn die Angst nicht nachlässt, zunimmt, sich auf andere Bereiche ausweitet oder Schlaf, Spielen und den Schulbesuch beeinträchtigt.

Gefühle und Lernschwierigkeiten brauchen unterschiedliche Hilfe, hängen aber oft zusammen. Die medizinische S3-Leitlinie zur Rechenstörung empfiehlt, bei der Abklärung auch auf Mathematik-, Prüfungs- und Schulangst zu achten. Bleibt Mathe schwer, auch wenn Ihr Kind entspannt ist, fragen Sie die Schule, ob ein genauerer Blick auf die Rechenfähigkeiten sinnvoll ist.

Wie fühlt sich Üben wieder sicher an?

  • Knapp unter dem aktuellen Stand beginnen. Eine Reihe leichter Erfolge ist der schnellste Weg zurück zu „Ich kann das“. Dann langsam steigern.
  • Kurz üben. Fünf bis zehn Minuten, mit einem Erfolg am Ende.
  • Fortschritt privat halten. Vergleichen Sie Ihr Kind nur mit sich selbst: „Letzte Woche war das schwer. Schau, wie es jetzt klappt.“
  • Mutige Versuche feiern, nicht nur richtige Antworten. Den Gesamtüberblick über das Üben zu Hause gibt Mathe zu Hause üben.

Häufige Fragen

Kann schon ein 6-jähriges Kind Matheangst haben?

Ja. Forschende haben Matheangst bei Kindern der 1. und 2. Klasse gemessen, und bei manchen ging sie schon mit schwächeren Leistungen einher. Deshalb lohnt es sich, früh und behutsam zu reagieren.

Ist Matheangst dasselbe wie schlecht in Mathe sein?

Nein. Matheangst ist ein Gefühl, keine fehlende Begabung, und auch Kinder mit guten Fähigkeiten können sie haben. Die Angst kann aber verhindern, dass ein Kind zeigt, was es kann, besonders unter Zeitdruck.

Können Eltern ihre Matheangst an Kinder weitergeben?

Sie kann abfärben. Eine Studie von 2015 fand, dass Kinder matheängstlicher Eltern im Schuljahr weniger lernten und ängstlicher wurden, aber nur, wenn diese Eltern häufig bei den Hausaufgaben halfen. Es kommt also darauf an, wie Sie helfen.

Soll ich bei den Mathe-Hausaufgaben nicht mehr helfen, wenn ich selbst Angst vor Mathe habe?

Nicht unbedingt. Halten Sie die Hilfe kurz und ruhig, stellen Sie Fragen statt neu zu erklären, und bauen Sie entspannte Mathe wie Spiele oder Kochen ein. Wenn Sie einen Rechenweg der Schule nicht kennen, fragen Sie die Lehrkraft.

Lösen Tests mit Zeitdruck Matheangst aus?

Manche Fachleute wie Jo Boaler von der Stanford University halten sie für einen wichtigen Auslöser, andere finden kurze, druckarme Übungen auf Zeit für manche Kinder hilfreich. Zu Hause brauchen Sie keine Stoppuhr, und Sie können die Lehrkraft nach Alternativen fragen.

Wann muss ich mir wegen Matheangst Sorgen machen?

Sprechen Sie mit der Lehrkraft, wenn die Sorgen immer wiederkommen oder Ihr Kind Mathe in der Schule meidet. Holen Sie ärztlichen Rat, wenn die Angst zunimmt, über Mathe hinausgeht oder Schlaf, Spielen und Schulbesuch beeinträchtigt.

Quellen

Geschrieben vom Matobur-Team von Edict Digital und anhand dieser Quellen geprüft:

  1. Intergenerational effects of parents' math anxiety on children's math achievement and anxiety (Maloney et al., 2015) (öffnet in einem neuen Tab)Psychological Science 26(9), PubMed
  2. Female teachers' math anxiety affects girls' math achievement (Beilock et al., 2010) (öffnet in einem neuen Tab)Proceedings of the National Academy of Sciences 107(5), PubMed
  3. Math at home adds up to achievement in school (Berkowitz et al., 2015) (öffnet in einem neuen Tab)Science 350(6257), PubMed
  4. Math anxiety, working memory, and math achievement in early elementary school (Ramirez et al., 2013) (öffnet in einem neuen Tab)Journal of Cognition and Development 14(2), ERIC
  5. On the relationship between math anxiety and math achievement in early elementary school: the role of problem solving strategies (Ramirez et al., 2016) (öffnet in einem neuen Tab)Journal of Experimental Child Psychology 141, PubMed
  6. The chicken or the egg? The direction of the relationship between mathematics anxiety and mathematics performance (Carey et al., 2016) (öffnet in einem neuen Tab)Frontiers in Psychology 6, PubMed
  7. Parent praise to 1- to 3-year-olds predicts children's motivational frameworks 5 years later (Gunderson et al., 2013) (öffnet in einem neuen Tab)Child Development 84(5), PubMed
  8. Fluency Without Fear: Research Evidence on the Best Ways to Learn Math Facts (Boaler, 2015) (öffnet in einem neuen Tab)youcubed, Stanford University
  9. Schulbezogene Ängste (öffnet in einem neuen Tab)Staatliche Schulberatung in Bayern, Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus
  10. S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung der Rechenstörung, Langfassung (2018, AWMF-Register 028-046) (öffnet in einem neuen Tab)DGKJP, bereitgestellt vom LMU Klinikum München