Gewohnheiten und Wohlbefinden
Die passende Mathe-App für Kinder wählen: eine Checkliste für Eltern
Eine faire Checkliste für Mathe-Apps: Lernwert, Anpassung, Lehrplan, Werbung, Kaufdruck, Datenschutz nach DSGVO, offline spielen und Bildschirmzeit nach Alter.

Kurz gesagt
Wählen Sie eine Mathe-App, die Ihr Kind zum Nachdenken bringt statt nur zum Tippen, sich seinem Stand anpasst, zum Unterricht passt und ohne Werbung, Kaufdruck und Datenweitergabe auskommt. Prüfen Sie die Datenschutzangaben, ob die App offline funktioniert und was sie Ihnen über den Fortschritt zeigt. Probieren Sie sie eine Woche gemeinsam aus, halten Sie die Zeiten kurz und achten Sie darauf, dass Schlaf, Spiel und Familienzeit nicht zu kurz kommen.
Das Wichtigste
- Lernen zuerst: Gute Apps machen Kinder aktiv, konzentriert, mit Sinn und im Austausch, die vier Säulen aus der Lernforschung.
- Das Etikett „Lern-App“ ist kein Beweis: Eine Studie mit 135 beliebten Apps für Kleinkinder fand in 95 Prozent Werbung, in Lern-Apps ähnlich oft wie in anderen.
- Achten Sie auf: keine Werbung, Käufe und Links nur hinter einer Elternsperre und klare Datenschutzangaben. In der EU schützt die DSGVO Kinderdaten besonders.
- Altersfreigaben wie die USK-Kennzeichen bewerten Risiken für Kinder, nicht den Lernwert. Die Store-Regeln für Kinder-Apps unterscheiden sich zwischen Apple und Google.
- Erst gemeinsam ausprobieren, kurz halten: Eine medizinische Leitlinie nennt für 6- bis 9-Jährige höchstens 30 bis 45 Minuten Bildschirmzeit am Tag.
Was macht eine Mathe-App wirklich lehrreich?
Apps mit dem Etikett „Lernen“ sind weitgehend unreguliert und ungeprüft, und schon Anfang 2015 gab es allein im App Store von Apple rund 80 000 davon. Eine Übersichtsarbeit von Lernforschenden in der Fachzeitschrift Psychological Science in the Public Interest bietet einen einfachen Test: Eine App unterstützt das Lernen, wenn sie Kinder aktiv macht (denken statt nur tippen), konzentriert hält (auf die Mathe, nicht auf Ablenkung), sinnvoll ist (mit Bezug zum echten Leben) und sozialen Austausch anregt (etwas, worüber Sie sprechen können), und das alles mit einem klaren Lernziel.
| Säule | Gutes Zeichen | Warnzeichen |
|---|---|---|
| Aktiv | Ihr Kind wählt einen Rechenweg, legt oder zieht Mengen, erklärt | Auf Farben tippen oder ein Glücksrad drehen, um Punkte zu sammeln |
| Konzentriert | Belohnungen folgen der Mathe und unterbrechen sie nicht | Pop-ups, blinkende Preise oder Videos zwischen den Aufgaben |
| Sinnvoll | Aufgaben mit echten Situationen: teilen, Geld, Uhrzeit | endlose zufällige Aufgaben ohne Zusammenhang und ohne Aufbau |
| Sozial | liefert Gesprächsstoff; Eltern können mitspielen | gebaut, damit Kinder möglichst lange allein spielen |
- Aufgabe: 8 + 5 = ? Antwort des Kindes: 12
- Schwache App: Summton, „Falsch!“, nächste Aufgabe
- Bessere App: zeigt 8 + 2 = 10, dann 10 + 3 = 13, und stellt danach 9 + 4
Die Checkliste: 12 Fragen vor dem Download
- Erklärt sie oder prüft sie nur? Nach einem Fehler sollte sie ein Bild, einen Tipp oder einen Rechenweg zeigen.
- Passt sich die Schwierigkeit an? Nach Fehlern sollten die Aufgaben leichter, nach Erfolgen schwerer werden, damit Ihr Kind gefordert, aber nicht verloren ist.
- Passt sie zum Unterricht? Die Themen sollten zur Klasse passen, etwa Plus und Minus bis 20 in Klasse 1 oder das Einmaleins in Klasse 2 und 3 (siehe Mathe-Kompetenzen nach Alter). Gut ist, wenn die App Wege wie das Rechnen über die 10 zeigt statt nur Ergebnisse abzufragen.
- Ist Tempo freiwillig? Spielmodi auf Zeit können für sichere Aufgaben Spaß machen, sollten aber nicht die einzige Art zu spielen sein.
- Wird mit Fehlern freundlich umgegangen? Keine schrillen Töne, kein Leben-Verlieren bei falschen Antworten und keine öffentlichen Ranglisten für kleine Kinder.
- Gibt es Werbung? Die sicherste Antwort ist: keine, auch keine Werbevideos, mit denen man Belohnungen freischaltet.
- Gibt es Kaufdruck? Käufe, Links aus der App heraus und Einstellungen gehören hinter eine Elternsperre, also eine Prüfung, die ein kleines Kind nicht besteht, etwa eine in Worten geschriebene Zahl eintippen.
- Welche Daten sammelt sie? Achten Sie auf eine klare Datenschutzerklärung, kein Tracking durch Dritte und kein Konto für Ihr Kind ohne guten Grund.
- Funktioniert sie offline? Offline-Spiel heißt: keine überraschenden Links, Videos oder Chats, und sie läuft auch im Auto.
- Sehen Sie den Fortschritt? Ein Elternbereich sollte zeigen, was geübt wurde, wie sicher Ihr Kind war und wo es hängt.
- Endet sie von selbst? Achten Sie auf kurze Runden und natürliche Pausen statt automatisch weiterlaufender Inhalte oder Druck durch Serien.
- Können Sie mitspielen? Gemeinsames Spielen am Anfang zeigt Ihnen, wie die App erklärt, und liefert Gesprächsstoff.

Tipp In 10 Minuten selbst testen
Bevor Sie die App weitergeben, spielen Sie 5 Minuten, als wären Sie Ihr Kind. Machen Sie absichtlich Fehler, tippen Sie auf jeden Knopf und jedes Banner, um zu sehen, wohin es führt, öffnen Sie die Einstellungen und lesen Sie die Datenschutzangaben im Store-Eintrag.
Werbung und In-App-Käufe: Worauf sollte ich achten?
Werbung in Kinder-Apps ist häufig und oft schwer zu erkennen. Forschende der University of Michigan untersuchten 135 beliebte Apps für Kinder bis 5 Jahre: 95 Prozent enthielten mindestens eine Form von Werbung, alle kostenlosen Apps taten es, und als Lern-App beworbene Apps hatten ähnlich oft Werbung wie andere. Gefunden wurden unter anderem Werbevideos, die das Spiel unterbrechen, Kaufaufforderungen und Werbung, die als Spielgegenstand getarnt ist.
Die Store-Regeln helfen, sind aber nicht überall gleich. Apple verlangt für Apps in der Kategorie „Kinder“, dass Links aus der App heraus, Kaufmöglichkeiten und andere Ablenkungen nur hinter einer Elternsperre liegen, und solche Apps sollen keine Analyse-Tools oder Werbung von Drittanbietern enthalten, abgesehen von eng begrenzten Ausnahmen. Die Familienrichtlinien von Google Play erlauben Werbung in Apps für Kinder, schränken sie aber ein: keine interessenbasierte Werbung, Werbung, die das Spiel unterbricht, muss nach 5 Sekunden schließbar sein, und emotional manipulierende Tricks, um Werbung oder Käufe anzustoßen, sind verboten.

Tipp Kauffreigabe einschalten
Egal, welche App Sie wählen: Richten Sie in den Familieneinstellungen Ihres Geräts ein, dass Downloads und Käufe Ihre Zustimmung brauchen, und behalten Sie Ihr Passwort für sich.
Datenschutz verständlich: Was regelt die DSGVO?
In der EU gilt die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Sie sagt ausdrücklich, dass Kinder bei ihren Daten besonderen Schutz verdienen, vor allem wenn Daten für Werbung oder zum Erstellen von Persönlichkeits- und Nutzerprofilen verwendet werden. Stützt sich ein Online-Dienst auf eine Einwilligung, gilt nach Artikel 8: Unter 16 Jahren müssen die Eltern einwilligen oder zustimmen; einzelne EU-Staaten dürfen die Grenze auf bis zu 13 Jahre senken, in Deutschland gilt die Grenze von 16 Jahren. Der Anbieter muss sich angemessen vergewissern, dass die Zustimmung wirklich von den Eltern kommt.
Außerdem verlangt die DSGVO Datenminimierung: Es dürfen nur so viele Daten erhoben werden, wie für den Zweck nötig sind. Und Sie haben das Recht auf Löschung. Auch Apple verweist in seinen Regeln für Kinder-Apps auf die DSGVO; Google Play erlaubt Apps, die sich nur an Kinder richten, keinen Zugriff auf den Standort.
- Braucht die App ein Konto, eine E-Mail-Adresse oder den Namen Ihres Kindes? Wenn ja, wofür?
- Fragt sie nach Standort, Kamera oder Mikrofon, ohne dass das nötig ist?
- Erwähnt die Datenschutzerklärung die Weitergabe von Daten an Dritte für Werbung?
- Können Sie die Daten Ihres Kindes einfach löschen?
Sagen Kinder-Kategorie, Altersfreigabe oder Siegel etwas über die Qualität?
Sie sind nützliche Filter, aber keine Garantie. Bei Google Play in Deutschland sehen Sie Alterskennzeichen der USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle), die über das internationale IARC-System vergeben werden. Anbieter beantworten dafür einen Fragebogen, unter anderem zu Gewalt und zu Risiken wie Chat- oder Kauffunktionen. Bewertet wird, was Kinder und Jugendliche beeinträchtigen könnte, nicht, ob eine App gut erklärt.
Apples Kinder-Kategorie bringt strengere Regeln für Käufe, Links und Daten mit, und Google bietet für Familien-Apps zusätzlich das Programm „Von Lehrkräften empfohlen“ an, in das Apps aber nicht automatisch aufgenommen werden. Kein Etikett sagt Ihnen, ob eine App zum Stand Ihres Kindes und zu den Methoden seiner Schule passt. Die Checkliste oben bleibt deshalb wichtig. Die KMK-Bildungsstandards nennen Apps übrigens ausdrücklich als mögliches mathematisches Werkzeug, neben Lineal, Zirkel und Taschenrechner.
Wie viel Bildschirmzeit ist für Mathe-Apps in Ordnung?
Das Elternportal kindergesundheit-info.de des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit nennt nach einer medizinischen Leitlinie diese Richtwerte für Bildschirmzeit insgesamt, also nicht nur für Lern-Apps:
| Alter | Richtwert | Außerdem |
|---|---|---|
| unter 3 Jahren | keine Bildschirmmedien | – |
| 3 bis 6 Jahre | höchstens 30 Minuten | gemeinsam nutzen |
| 6 bis 9 Jahre | höchstens 30 bis 45 Minuten | keine eigene Spielkonsole und kein eigenes Smartphone vor 9 Jahren |
| 9 bis 12 Jahre | höchstens 45 bis 60 Minuten | keine unbeaufsichtigte Internetnutzung vor 12 Jahren |
Das Portal rät außerdem, sich die Lieblingsspiele vom Kind zeigen zu lassen, mitzuspielen und klare Regeln festzulegen, die mit dem Alter angepasst werden. Für das Üben mit einer Mathe-App reichen 10 bis 15 konzentrierte Minuten; hören Sie auf, solange Ihr Kind noch Lust hat. Gleichen Sie das Üben am Bildschirm mit Mathe zum Anfassen und Mathespielen ohne Bildschirm aus, zum Beispiel mit diesem:
Kaufladen
- Fünf Dinge mit Preisen versehen: 3, 5, 8, 10 und 12 Euro.
- Ihr Kind kauft zwei Dinge und rechnet die Preise zusammen: 5 + 8 = 13.
- Es bezahlt mit 20 Euro und rechnet das Wechselgeld aus: 20 − 13 = 7.
- Jüngere Kinder nehmen Preise bis 10 Euro, ältere kaufen drei Dinge oder rechnen mit Preisen wie 2,50 €.
Eine App testen: eine einfache erste Woche
- Tag 1: 10 Minuten gemeinsam spielen. Beobachten Sie, wie die App Fehler erklärt und wohin die Knöpfe führen.
- Tag 2 bis 4: Ihr Kind spielt allein, Sie sind in der Nähe. Lassen Sie sich eine Sache erklären, die es gelernt hat.
- Tag 5: Schauen Sie in den Elternbereich oder Lernbericht. Übt Ihr Kind auf dem passenden Niveau?
- Tag 7: Entscheiden Sie. Behalten Sie die App, wenn Ihr Kind nachdenkt, Fortschritte macht und gut aufhören kann, wenn die Zeit um ist.
Wenn Spielmodi auf Zeit Tränen auslösen, schalten Sie sie ab und lesen Sie Matheangst bei Kindern. Das große Ganze rund ums Üben finden Sie in Mathe zu Hause üben.
Häufige Fragen
Sind Mathe-Apps gut für Kinder?
Sie können es sein, wenn die App zum Nachdenken bringt, sich dem Stand anpasst und in kurzen Einheiten neben Übungen mit Material genutzt wird. Die Lernforschung betont aktives, konzentriertes, sinnvolles und soziales Lernen, und das ist etwas anderes als das Durchtippen bunter Belohnungen.
Wie viel Bildschirmzeit ist für ein Grundschulkind in Ordnung?
Eine medizinische Leitlinie, auf die das Elternportal kindergesundheit-info.de verweist, nennt für 6- bis 9-Jährige höchstens 30 bis 45 Minuten Bildschirmzeit am Tag und für 9- bis 12-Jährige höchstens 45 bis 60 Minuten, jeweils insgesamt. Für eine Mathe-App reichen 10 bis 15 Minuten.
Was ist eine Elternsperre?
Eine kleine Prüfung auf Erwachsenen-Niveau, etwa eine in Worten geschriebene Zahl eintippen, die vor Käufen, Links aus der App heraus oder Einstellungen bestanden werden muss. Apple verlangt sie in der Kinder-Kategorie vor Käufen und Links nach draußen.
Sind kostenlose Mathe-Apps unbedenklich?
Nicht immer. In einer Studie mit 135 beliebten Apps für Kinder bis 5 Jahre enthielt jede kostenlose App Werbung. Prüfen Sie jede App, ob kostenlos oder kostenpflichtig, auf Werbung, Kaufaufforderungen und Datenweitergabe, bevor Ihr Kind sie nutzt.
Was bedeutet die DSGVO für die Apps meines Kindes?
Die DSGVO gibt Kinderdaten besonderen Schutz, vor allem vor Werbung und Profilbildung. Stützt sich ein Dienst auf eine Einwilligung, müssen in Deutschland bei Kindern unter 16 Jahren die Eltern zustimmen, und Sie können verlangen, dass die Daten gelöscht werden.
Sollte mein Kind eine Mathe-App allein nutzen?
Beginnen Sie gemeinsam, damit Sie sehen, wie die App erklärt, und lassen Sie Ihr Kind dann allein spielen, während Sie in der Nähe sind. Wenn Sie über das Gespielte sprechen, bleibt Lernen sozial, und Sie bemerken Probleme früh.
Quellen
Geschrieben vom Matobur-Team von Edict Digital und anhand dieser Quellen geprüft:
- Putting education in “educational” apps: lessons from the science of learning (Hirsh-Pasek et al., 2015) (öffnet in einem neuen Tab)Psychological Science in the Public Interest 16(1), PubMed
- Advertising in young children's apps: a content analysis (Meyer et al., 2019) (öffnet in einem neuen Tab)Journal of Developmental & Behavioral Pediatrics 40(1), PubMed
- App Review Guidelines (1.3 Kids Category; 5.1.4 Kids) (öffnet in einem neuen Tab)Apple Developer
- Google Play Families Policies (öffnet in einem neuen Tab)Google Play Console Help
- Verordnung (EU) 2016/679 (Datenschutz-Grundverordnung), u. a. Art. 5, 8, 17 und Erwägungsgrund 38 (öffnet in einem neuen Tab)EUR-Lex, Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union
- IARC (International Age Rating Coalition) (öffnet in einem neuen Tab)Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK)
- Medienerziehung: Bildschirmzeit nach Alter (öffnet in einem neuen Tab)kindergesundheit-info.de, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG)
- Bildungsstandards für das Fach Mathematik Primarbereich (Beschluss vom 15.10.2004 i. d. F. vom 23.06.2022) (öffnet in einem neuen Tab)Kultusministerkonferenz (KMK)